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3. Mal sehen.

Ich war gestern wieder im Café um zu schreiben. Diesmal war nicht der Typ mit dem Riesenlächeln da, sondern Louisa, eine total aufgedrehte Person mit bunten Haaren. Naja, zumindest am Hinterkopf, ihre Deckhaare waren blond, keine Ahnung, ob von Natur aus.
Sie hat mich jedenfalls angequatscht und später, vermutlich als sie Feierabend hatte, noch spontan eingeladen, in so ne Art Cocktailbar mitzugehen. Schwer zu sagen, was das genau für ein Laden ist, weil es auch einen Tanzbereich (sogar mit Discokugel) gibt. Außerdem stehen auf der Karte (die eigentlich keine Karte ist) nicht nur Cocktails und sowas, sondern man kann da auch richtig was essen.
Na jedenfalls - diese "Karten" sind so Zeitschriften für jeden Monat. Wir haben noch die für April bekommen, aber der ist ja nun vorbei (seit heute Nacht) und deshalb hab ich eine mitgenommen.
Da steht drin, was in welchem Cocktail enthalten ist bzw. welche Säfte und welcher Alkohol reinkommen, also kann ich sozusagen ein bisschen Vokabeln lernen mit dem Ding.
Außerdem kann ich deshalb jetzt sagen, wie der Schuppen heißt -
alegría de vivir. Ich hab gelernt, dass das Lebensfreude bedeutet, auf spanisch. Ich dachte ja, Leben heißt vida, aber was weiß ich. Die werden das schon recherchiert haben, bevor die das so genannt haben, denk ich mal.
Ich bin leider gar nicht gut vorangekommen mit dem Buch gestern. Louisa hat gesagt, ich soll das, was ich geschrieben hab, erstmal stehen lassen und später nochmal drüber lesen, wenn ich ein bisschen Distanz dazu hab. Weiß nicht, ob das gut ist.
Ich finde, Schreiben, oder generell Kunst hat doch eigentlich sehr viel mit Gefühl zu tun, und wenn mein Gefühl sagt, das ist Mist, dann ist es auch so, oder nicht?! Und dann bringt es auch nix, später nochmal drüber zu lesen, weil's immer noch Mist ist.
Vielleicht schadet es sogar eher, weil das Gefühl dann weniger stark ausgeprägt ist, und quasi schon sagt: Dann hör halt nicht auf mich, schönen Tag noch! - ?
Naja, mal sehen.
In dem Laden hab ich jedenfalls dann tausend Leute kennengelernt und von so ziemlich allen die Namen wieder vergessen.
Naja, nicht ganz. Sven weiß ich noch - weil der sooo viel redet! Der hört gar nicht mehr auf, dachte ich. Aber es war auch alles sehr witzig, was er zu erzählen hatte.
Und dann weiß ich noch, dass der mit den blonden Locken Matt heißt, und der andere, der bei Matt in der Straße wohnt, heißt Phillip. (Und ich glaub, die mögen sich irgendwie gar nicht.)
Den Rest hab ich vergessen.
Da war eine Französin mit so einem total typischen Namen - da bleibt dann eigentlich kaum was übrig. Amélie, Aurélie, Francine, irgendwie sowas.
Und dann war da eine, die Matt mitgebracht hat, und mich glaub ich aus Prinzip nicht leiden kann. Wahrscheinlich, weil Matt sich so lange mit mir unterhalten hat. Haha, wenn die wüsste! - aber dazu komm ich später noch.
So, und dann war da auch noch eine, die glaub ich ziemlich eng mit Louisa befreundet ist. Sie sagt eigentlich immer nur ihren Spitznamen, aber ich komm nicht drauf, weder auf den, noch auf den vollen Namen. Ich weiß nur noch, dass es irgendwas mit J war. Glaub ich jedenfalls. Sie war an Silvester auch dabei, bei dem Cocktails selbst machen und so, aber sie war "schon" um vier müde - naja, wenn die meisten anderen bis sieben machen, ist das schon ziemlich früh.
Wie heißt die denn nur? Irgendsowas typisches. Jana. Oder Julia. Oder Jessica... Jennifer? Irgendwie sowas.
Ja, und dann war da noch eine, und noch einer, und keine Ahnung. Viel zu viele auf einmal jedenfalls!
Sven erinnert mich irgendwie an jemanden, ich weiß nur noch nicht, an wen. Vielleicht kann ich mir deshalb seinen Namen merken?
Egal.
Ja, und Matt und Phillip wohnen beide im ---weg, also quasi um die Ecke. Matt hat dann gesagt, er ist müde, und Phillip hat mir noch seine Wohnung gezeigt, weil er meinte, die wäre so herzlos eingerichtet und ob ich nicht nen Tipp hätte oder sowas. Weil ich sowas ja voll mag, Inneneinrichtung.
Und Kaffee hat er auch für mich gemacht - der war gut!
Und am Ende hat mich Phillip dann also alleine heim gebracht, logischerweise, weil Matt da schon in sein Bett abgehauen ist. (Aber so wie er sich benommen hat, war er nicht müde sondern einfach genervt oder so, wegen Phillip. Ich frag mich echt, was da los ist... vielleicht weiß Louisa was.)
War eigentlich ein bisschen sinnlos, weil das eh quasi um die Ecke ist, aber er hat mich heim gebracht, bis vor die Tür. Gentleman.
Wie auch immer.
Also, seine Wohnung ist wirklich ziemlich herzlos eingerichtet.
Einzelne Ecken sehen aus wie direkt aus dem Einrichtungskatalog geklaut, ohne Mist. Andere Ecken wiederum... uah. Die sehen aus, als würde derjenige gerade noch umziehen und hätte nicht mal alle Kartons in der Wohnung. Ganz schrecklich.
Und überall dieses hässliche helle Holz! Buche oder Birke oder was das ist. Igitt. Wenn es wenigstens ganz hell wär, so quasi weiß, das gibt's ja auch, okay, aber nein, es muss dieses eklige Hellbraun sein. Bäh. Mag ich gar nicht.
Aber ich hab ja die Erlaubnis, seine Wohnung neu einzurichten. Er meinte, er hätte viel weniger Geld ausgegeben, als er erwartet hätte, auch für den Umzug (er hat bis vor kurzem noch quasi am anderen Ende des Landes gewohnt, studienbedingt) - deshalb kann er jetzt ordentlich reinhauen, meinte er. Also gehen wir bald mal Möbel shoppen. Wahrscheinlich gleich am Samstag.
Ja, also sonst sind seine Möbel halt auch total zusammengewürfelt. Da passt nix, nicht mal bei den hellbraun-hässlichen Sachen. Sieht auch ein bisschen so aus, als wären manche Teile noch aus seinem früheren Kinderzimmer übrig geblieben, geht also mal gar nicht! Und dann überall diese weißen Wände! Die müssen auch unbedingt gestrichen werden.
Ist halt Mist, dass das Semester grad begonnen hat. In der vorlesungsfreien Zeit hätten wir viel mehr Zeit gehabt, da was zu machen. Aber naja. Wird schon irgendwie.
Ach ja, und sein Regal sieht so aus, als würde es gleich auseinanderfallen.
Ich freu mich schon drauf, da alles neu zu gestalten. Vor allem der Dekoteil wird super. Er mag Kerzen und auch Fotos und so Bilder, also kann ich mich da ganz in meinem Sinne austoben, sozusagen. Ich steh ja auch voll auf so Kram.
Er hat auch gemeint, ich könnte ihm ja was malen. Haha. Ich, malen! Sicher... aber mal sehen, vielleicht mach ich's ja wirklich. Hab irgendwie schon auch Lust dazu.
Aber mal gucken.
Und er will mich nicht Ana nennen, hat er gemeint. Ich weiß allerdings nicht so ganz, wieso, da hat er so ausweichend geantwortet. Aber auf jeden Fall nennt er mich Bel, meinte er. Und dann hat er die ganze Zeit dieses Lied gesungen, vonwegen
I've been thinking about my doorbell... sau lustig.
Und ich hab mich dazu überreden lassen, tanzen zu lernen. Uah. Bin mal gespannt, was das wird. Bis Montagabend hab ich noch Zeit, zu widersprechen, ansonsten meldet er uns da dann verbindlich an. Haha. Naja, sind nur zwölf Abende über sechs Wochen verteilt erstmal, und wenn's mir keinen Spaß macht, kann ich danach dann ja wieder aufhören.
Bin mal gespannt.
Ich bin auch darauf gespannt, wie er so schreibt. Was er erzählt hat klingt ja schonmal echt vielversprechend, aber wer weiß.
Und Musik machen wir auch mal zusammen. Aber vorher muss ich ein bisschen Gitarre üben... ich glaub, ich kann gar nichts mehr...
Mal sehen.
Matt macht auch Musik. Er will das sogar studieren.
Mir fällt grad auf - ich weiß gar nicht, was genau Matt eigentlich macht. Hm. Er weiß, dass ich Klavier und Gitarre spiele. Naja, ich wollte ja eh mal wieder anfangen damit, von daher macht es nix, dass ich eigentlich beides schon laaang nicht mehr gespielt hab... egal. Ich vermisse es ja eh schon die ganze Zeit, und wenn ich die Instrumente doch hier stehen hab... und Musik ist auch einfach echt genial.
Aber wieso Matt und Phillip sich offensichtlich nicht leiden können, wüsste ich echt mal gerne. Vor allem, weil sie ja doch zum selben Freundeskreis gehören, offensichtlich. Oder nicht?!
Mal sehen. Louisa fragen. Vielleicht weiß die was.
Naja.
Hm... ich werd mich mal wieder an mein Buch machen, bzw. daran, mir zu überlegen, was ich eigentlich schreiben will. Oder soll ich doch einfach drauf los schreiben? Hm.
Wenn ich anfange, und das Gefühl stimmt, werd ich ja wissen, dass das die richtige Richtung ist. Oder?
Aber manchmal weiß ich dann ja auch noch gar nicht, wie die Geschichte weitergehen soll. Und wenn mir dann nichts mehr einfällt? Vielleicht sollte ich Kurzgeschichten schreiben, da muss man nicht so weit raus blicken und außerdem kann man einfach aufhören, wenn einem nix mehr einfällt. Die haben doch eh immer ein offenes Ende.
Gedichte mag ich jedenfalls nicht, daraus wird nix.
Und Lieder... naja. Nur, wenn ich die auch selbst singe. Oder wenigstens nicht jemand ganz Fremdes. Der versteht das doch dann gar nicht richtig, bzw. kann das nicht richtig rüberbringen, weil der nie das erlebt und gesehen und gefühlt haben wird, was ich hab. Ist doch doof.
Hm. Mal sehen.
Ach, ich glaub, ich koch mir jetzt erst mal einen Kaffee.

16.8.11 15:38

Letzte Einträge: 5. Ana an Matt, 6. Phillip an Ana, 7. Phillip an Louisa, 8. Matt an Louisa, dear sir and ma'am

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