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1. Übergangstexte

Auf hohen Schuhen stöckel ich ins Café, die Haare im Dutt und zum ersten Mal mit falschen Wimpern aufgeklebt. (Das war vielleicht ein Akt!)
Louisa kommt gerade mit leerem Tablett und Block um die Ecke. Sie lächelt mich an und ruft mir ein Hallo zu, keine Sekunde wird sie dabei langsamer, dann nimmt sie die Bestellung am Tisch in der Ecke auf.
Ich mag den Tisch, vor kurzem habe ich ihn für mich entdeckt (aber er ist für vier bis sechs Personen und daher fast immer besetzt). Man sitzt dort fast ein bisschen versteckt und doch genau im Licht von draußen.
Heute allerdings kein Sonnenlicht, da macht es sowieso gar nichts.
Es ist grau.
Louisa taucht neben mir auf.
"Hey, Ana. Was kann ich dir bringen?"
"Hey."
Sie hat hellgrüne Nägel. Seltsames Grün. Hell, erinnert mich an Senf, wahrscheinlich hellgrün mit senfgelb gemischt oder so. Auf ihrem linken Zeigefinger hat sie einen roten ovalen Punkt, mit Filzstift oder so.
"Das Übliche.", bestelle ich.
Damit eilt sie wieder fort.
Mein Notebook ist gerade hochgefahren, da setzt sie sich zu mir.
"Und, was gibt's Neues?"
"Hm. Nichts. Bei dir?"
"Hmm. Naja, auch nicht viel. Hat Matt dir von dem Konzert erzählt? Samstag?"
"Äh..."
Ich schüttle den Kopf. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass er was gesagt hat. Aber wann auch?
"Das ist irgendwie so ein... (sie wedelt mit der Hand durch die Luft) Jubiläumsdings oder so. Weiß nicht genau. Auf jeden Fall werden vier oder fünf Bands auftreten, und zu einer davon gehört Matt. Joa."
Sie sieht rechts und links hinter sich, ob sie als Kellnerin irgendwo gebraucht wird.
"Hast du Lust, mitzukommen?"
"Klar!", antworte ich sofort. Ich mag Matts Musik.
Einen Moment ist Stille.
"Oh Mann, ich muss diesen Lack unbedingt wieder ab machen."
Sie sieht auf ihre Hände, dann zu mir, und lacht.
"Ja... ja, das musst du wirklich!", stimme ich ihr zu. Die Farbe ist furchtbar.

Eine halbe Stunde später ist es voll geworden im Café. Louisa wuselt hin und her während ich versuche, ihre eventuell aufkeimende Romanze in einen Text zu packen.
Ich erzähle mein Freunden nie, was ich über sie schreibe, ich weiß nicht, was sie davon halten würden. In diesem Fall würde Louisa jedenfalls wahrscheinlich den Kopf schütteln, sich aber nicht weiter darum kümmern. Vielleicht würde sie sich auch die Ohren zu halten und sagen, dass sie davon nichts hören will, bevor das Date vorbei ist.
Sie hat einen aus ihrem Jahrgang wiedergetroffen, Martin, und sie wollen sich treffen. (Also eigentlich gar kein Date, aber in meiner Geschichte brauche ich das.)

Ich stecke komplett fest. Keine Chance. Es tut sich nichts. Egal, was ich anfange...
Louisa lacht laut. Ich drehe mich um, sehe zu ihr - Phillip ist da. Er lacht auch, seine Augen leuchten. So blau...
Wir tanzen immer noch.
An dem Abend, an dem er mich zur Seite genommen hat und mich bat, Klartext zu reden, haben wir uns danach wunderbar verstanden und total gut amüsiert. Es war wirklich irre. Ich hätte nicht gedacht, dass alles so locker bleiben könnte, nach einem Korb, aber tatsächlich ist jetzt alles noch besser.
Ich habe einen Verdacht. Ich glaube, das heute Abend ist auch deswegen kein Date für Louisa, weil sie ein bisschen an Phillip interessiert ist. Ich weiß es natürlich nicht sicher oder so, aber ich habe mich bei sowas selten geirrt.
Er hält gerade eine ihrer Hände und beäugt ihren Nagellack lachend. Es erinnert mich an Matt, wie er einmal meinen Nagellack angesehen hat.
Vielleicht kann ich über Matt und mich schreiben, denke ich da. Samstag sollte ja genug Potential haben. Bei so einem Konzert, da kann man doch gut rumspinnen. Oder?
Vielleicht lasse ich ihn auf einer Hochzeit singen. Das wäre doch was. (Wieso will ich eigentlich immer was mit Hochzeiten schreiben? Ich wäre gerne mal wieder auf einer...)
Phillips und Louisas Stimmen begrüßen andere Stimmen, eine davon klingt wie...
Matt.
Mit Karen. Karen schon wieder!
Karen ist die nervigste Person, die mir je begegnet ist. Sie weiß immer alles besser, muss zu allem ihre Meinung sagen, und sie redet ohne Punkt und Komma. Wenn man mal denkt, sie ist endlich fertig (nach 50 Sätzen zu einem einfachen Thema, bei dem 5 Sätze absolut ausreichen würden - auch und vor allem was den Inhalt ihrer Aussage betrifft!) kommen weitere 100 überflüssige Sätze aus ihrem Mund. Blablabla.
Und es ist nicht etwa so, dass man einfach irgendwann aufhört, zuzuhören, dass man abschaltet - nein, man will irgendwann etwas nehmen und nach ihr werfen. Die Serviette zusammenknäulen und ihr in den Mund stopfen. Schreiend aufspringen und wegrennen.
Sowas alles.
Und jetzt ist sie hier. Säuselt um Matt rum. Und Phillip. Und Louisa. Geht mir auf den Nerv, sogar auf die Entfernung. Hält sich für super clever weil sie mal beim Geburtstag ihrer Oma gekellnert hat.
Ich will kotzen.
Ich haue in die Tasten und versuche, meine erste Begegnung mit Matt wieder aufleben zu lassen.
Ich schließe die Augen und sehe alles wieder vor mir...

12.10.11 01:41

Letzte Einträge: 5. Ana an Matt, 6. Phillip an Ana, 7. Phillip an Louisa, 8. Matt an Louisa, dear sir and ma'am

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