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"Es ist nicht so einfach, sich wieder voll in den Schmerz hineinzustürzen und die alten Wunden aufzureißen, nur um einen Text authentischer gestalten zu können. Da muss man vermutlich erst hinkommen, dass man Emotionskonstrukte klar abrufen kann - und sie dann auch wieder beseiteschieben.
Vieles ist da auch eine reine Willenssache. Will ich wirklich nochmal erleben, wie beschissen es mir da ging? Will ich wirklich nochmal in diese Phase zurück? Mir geht es doch gerade so gut, muss das jetzt sein? Und dabei kennst du die Antwort die ganze Zeit.
Ja. Ja, natürlich muss das sein. Was denkst du denn, was du hier machst? Es geht nicht ohne.
Leider.
Und dann holst du also doch dein altes Tagebuch raus, oder die Fotos, oder auch die Postkarten. Die CDs vielleicht, oder was auch immer. Und du tust dir das alles an, absichtlich. Du erinnerst dich. Je mehr, desto besser, immer schön weiter, und noch eins drauf, und noch eins - bis es nicht mehr geht. Und dann legst du nochmal nach, und nochmal, und du hörst nicht auf. Du wirfst dich voll hinein.
Naja, und entweder, du findest dann, nach getaner Arbeit sozusagen, auch wieder einen Weg da raus - oder, naja. Du solltest lieber wieder rausfinden.
Aber das ist eben immer das Problem: du musst dich von deinen Protagonisten trennen. Du musst wissen, wo du aufhörst und wo die anderen beginnen. Du musst den Überblick behalten, was du jetzt fühlst, und was einmal war.
Deswegen werden wahrscheinlich auch so viele Künstler verrückt."